Vietnamesische Pagode wächst in Taucha
In Nordsachsen entsteht ein buddhistischer Tempelnach jahrhundertealter Handwerkstradition – ganz ohne einen einzigen Nagel

In Taucha entsteht derzeit eine vietnamesische Pagode.Foto: Stadtverwaltung Taucha
Taucha. Es ist ein Anblick, den Taucha so noch nicht gesehen hat: Auf einem Grundstück an der Bahnhofstraße wachsen filigrane Holzkonstruktionen in den Himmel – geschnitzt, gezapft und gefügt nach einer Tradition, die in Vietnam seit Jahrhunderten von Meister zu Schüler weitergegeben wird. Der Chân Tinh Thien Vien entsteht, eine buddhistische Pagode, die ihresgleichen in Deutschland sucht.

Am 3. Juli feierten die Bauleute Richtfest. Der Dachstuhl des Hauptgebäudes wurde aufgerichtet – ein Meilenstein für ein Projekt, das bereits 2013 als Idee geboren wurde. Damals fassten der buddhistische Mönch und Abt Thích Minh Tue aus Hanoi und der in Deutschland lebende Quang Vinh Dao den Plan, in Taucha einen Ort der Stille und Begegnung zu schaffen.

Was folgte, war jahrelange Handarbeit. Ab 2014 fertigten 20 vietnamesische Kunsthandwerker drei Jahre lang sämtliche Holzelemente der Pagode vor – Tragwerk, Schindeln, Schnitzereien und Ornamentik. Alles aus Roter Lärche, altem Wuchsholz aus Vietnam. Kein Nagel, keine Metallverbindung: Jedes Teil greift durch Zapfen, Versatz und Passung ineinander. 2018 wurden die Elemente nach Deutschland transportiert.

Vier der Handwerker sind nun in Taucha vor Ort und setzen das Puzzle zusammen. Ihr Teamleiter ist Nguyen Van Tuan, Träger des höchsten handwerklichen Ehrentitels der Stadt Hanoi, verliehen für seine Meisterschaft in der kunsthandwerklichen Holzbearbeitung. Deutsche Fachleute wie Architekt Marco Stelzel kümmern sich parallel um Statik, Genehmigungen und Behördenkontakte.

Besonders ins Auge fällt das geplante Haupttor: Es ist dem Khuê Van Các nachempfunden, dem berühmten Pavillon im Literaturtempel von Hanoi – zugleich offizielles Wahrzeichen der vietnamesischen Hauptstadt. Oben achteckig mit runden Fenstern als Symbol des Himmels, unten quadratisch als Symbol der Erde. Die Pagode gehört zur Vietnamesischen Buddhistischen Sangha und wird ausschließlich durch Spenden finanziert. Tauchas Bürgermeister Tobias Meier begleitet das Vorhaben seit den frühen Planungsphasen. Nach Fertigstellung des ersten Bauabschnitts – geplant für Ende 2026 – soll die Pagode allen Menschen offenstehen, unabhängig von Herkunft oder Religion. Die vollständige Fertigstellung ist für 2028 vorgesehen. „Diese Pagode steht für den Wunsch, einen dauerhaften Ort des Buddhismus und der Begegnung zwischen Vietnam und Deutschland zu schaffen“, sagt Quang Vinh Dao, der das Projekt in Deutschland verantwortet.

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