Hans Schifferle (1957 bis 2021) war eine prägende Stimme der deutschen Filmkritik. Seit den 1990er-Jahren schrieb er für die Süddeutsche Zeitung, epd-Film und andere Publikationen. Sein Blick kannte keine Hierarchien: Blockbuster und Arthouse, Avantgarde und Trash, Hochkultur und vermeintlich Randständiges – alles fand in seinem Werk seinen Platz. Schifferle war ein leidenschaftlicher Cinephiler, geformt durch die Münchner Kinoszene der 1980er-Jahre, das dortige Filmmuseum und das Werkstattkino. Seine Sammlung spiegelt diese Breite wider: Genres wie Film Noir, Western, Horrorfilm, Animationsfilm und Experimentalfilm sind ebenso vertreten wie Filmtheorie, LGBTQ-Perspektiven, Zensur und Filmfestivals.
Marzona hatte den Nachlass Schifferles im Jahr 2021 erworben. Nun geht der Buchbestand an die UBL, während das Archiv Schifferles bereits an das Archiv der Avantgarden (ADA) in Dresden übergeben wurde und dort für die Öffentlichkeit zugänglich ist.
Für Leipzig ist die Schenkung mehr als ein Zuwachs im Magazin. „Die Universität Leipzig ist geradezu prädestiniert als Umfeld für diese außergewöhnliche filmwissenschaftliche Bibliothek“, sagt UBL-Direktorin Dr. Anne Lipp.
An der Bibliothek ist der von der DFG geförderte Fachinformationsdienst (FID) Media angesiedelt, der Kommunikations- und Medienwissenschaftlerinnen und -wissenschaftler in ganz Deutschland mit Fachmedien versorgt.
Die UBL will den Bestand nun sukzessive sichten, erschließen und der Forschung zur Verfügung stellen – als lebendiges Zeugnis eines Kritikers, der das Kino in seiner ganzen Vielfalt liebte. und red.