„Wenn wir über hauptamtliches Personal sprechen, muss man es so deutlich sagen: Es ist eine sehr angespannte Lage“, sagt Christian Dahms. Der Hauptgeschäftsführer des Landessportbundes (LSB) Sachsen weiß um den Fachkräftemangel, der sich teilweise bis in das Ehrenamt im Amateurbereich durchzieht. Dabei bereite ihm vor allem das hohe Alter vieler Trainerinnen und Trainer jede Menge Sorge.
Die naheliegende Lösung: Es braucht Nachwuchs. Doch wo soll der herkommen? Auf diese Frage hat der LSB nun zusammen mit den Landessportgymnasien im Freistaat eine (Teil-)Lösung gefunden. Anfang Juli folgte die offizielle Bekanntgabe: Wer künftig Abitur an einer der sechs Schwerpunktschulen macht, kann eine Trainer-C-Lizenz direkt dazubekommen. In Dresden wurde dieses Angebot bereits getestet, die ersten Trainerscheine beim Abschluss ausgehändigt. Nun wird das Projekt auf die Standorte in Altenberg, Chemnitz, Klingenthal, Oberwiesenthal und Leipzig ausgeweitet.
Matthias Jackisch freut sich über diese Anerkennung für seine Schützlinge. „Was die Schüler bei uns lernen, geht sogar noch über das hinaus, was für die Lizenz gefordert wird“, ist sich der Schulleiter des Leipziger Sportgymnasiums sicher. Denn in den vier Semestern im verpflichtenden Sportleistungskurs wird von den Grundlagen des Vereinsrechts, über Dopingmissbrauch, Trainingsmethodik und Wettkampfvorbereitung bis hin zu den sozialen Aspekten des Sports eine große Bandbreite an Wissen vermittelt. Zusätzlich zum Abschluss müssen die Schüler nur noch einen Erste-Hilfe-Kurs absolvieren sowie den LSB-Ehrenkodex anerkennen. Jackisch ist überzeugt: „Die Abiturienten der Sportgymnasien sind für alle Vereine sehr wertvolle Trainer, durch die Lizenz erst recht.“
Für die Abiturienten stünde durch den Trainerschein nach der Schule zudem eine weitere berufliche Perspektive offen: „Wenn sie sich für diesen Weg entscheiden, können die Schüler sehr gut vorbereitet ins Studium gehen.“ Der Weg wäre zudem ein kurzer, schließlich wird auf der gegenüberliegenden Straßenseite seit dem vergangenen Jahr an der Universität wieder ein Studiengang für Trainer angeboten.
Dahms ist überzeugt, dass Sachsen künftig beides benötigen wird. „Es braucht sowohl die Trainer für die Basis, als auch für die Elite. Durch die Lizenz für Abiturienten gibt es neue Übungsleiter, die auch Anfängern mit Rat und Tat zur Seite stehen. Parallel dazu werden an der Universität nun die künftigen Trainer der Spitzensportler ausgebildet, die diesen wissenschaftlich fundiert zu Höchstleistungen verhelfen können.“
Derzeit gebe es in Sachsen etwa 30 000 aktive Trainerlizenzen. Wie viele davon in den kommenden Jahren erneut verlängert werden, sei schwer abzuschätzen. Klar sei aber, dass Nachwuchs dringend gebraucht werde. Aus den Abiturjahrgängen der Sportgymnasien hofft Dahms langfristig auf eine niedrige dreistellige Anzahl neuer Lizenzinhaber pro Jahr, die sich in Vereinen betätigen könnten. Dass davon nicht alle zu hauptamtlichen Trainern werden, sei natürlich klar. und TK