Kinder gewinnen, obwohl nur eine Mannschaft den Pokal holt
Fußballturnier der Kita „Die Auenwaldentdecker“ zeigt, wie frühkindliche Bildung über den Kita-Alltag hinaus wirken kann

Kita „Die Auenwaldentdecker“ organisierte kürzlich ein kleines Familienfest, inklusive Fußballturnier.Foto: privat
Leipzig. Auf dem Sportplatz an der Wettiner Brücke wurde am Samstagvormittag nicht nur Fußball gespielt. Zwischen 9.30 und 13 Uhr verwandelte die Kita „Die Auenwaldentdecker“ ihr Fußballturnier in ein kleines Familienfest mit Bewegung, Musik, Tanz, Feuerwehr, Pferdereiten, Grillstand und vielen Begegnungen. Was zunächst nach einem sportlichen Vormittag klang, wurde zu einem sichtbaren Beispiel dafür, was eine Kindertageseinrichtung leisten kann, wenn Team, Eltern und Förderverein gemeinsam an einem Strang ziehen.

Die Kita „Die Auenwaldentdecker“ in der Friedrich-Bosse-Straße 21 gehört zur Kinderland 2000 GmbH und bietet Platz für 73 Krippen- und 160 Kindergartenkinder. Nach Angaben des Trägers stehen in der pädagogischen Arbeit insbesondere Musik, Bewegung, Kreativität und – durch die Nähe zum Leipziger Auenwald – Naturerfahrungen im Mittelpunkt. Kinder werden dabei nicht nur betreut, sondern als eigenständige Persönlichkeiten wahrgenommen, die ihre Umwelt aktiv entdecken, mitgestalten und begreifen sollen.

Genau dieser Ansatz war beim Turnier zu sehen. Auf dem Platz traten Kinder, Eltern, Erzieherinnen und Erzieher sowie Vertreterinnen und Vertreter des Fördervereins in wechselnden Teams gegeneinander an. Angefeuert wurde lautstark, aber fair. Es ging um Tore, Einsatz und Teamgeist – vor allem aber um gemeinsame Erfahrung. Der Sportplatz wurde damit für einen Vormittag zu einem Lernort außerhalb der Kita: Kinder konnten sich ausprobieren, Regeln erleben, Rücksicht nehmen, Niederlagen aushalten, Erfolge feiern und sich als Teil einer Gemeinschaft erfahren.

Zum Programm gehörten neben den Fußballspielen auch musikalische Pausen, Tanzangebote, Begegnungen mit der Feuerwehr, Pferdereiten sowie ein liebevoll vorbereiteter Imbissstand mit Grill und Getränken. Solche Angebote entstehen nicht nebenbei. Sie brauchen Vorbereitung, Absprachen, helfende Hände und Menschen, die bereit sind, Zeit und Energie in das Umfeld der Kinder zu investieren. Dass dies gelang, war an diesem Vormittag unübersehbar.

Ein besonderer Programmpunkt war „Tanzen mit Silke“. Die Tanzpädagogin Silke Friederici bietet seit Februar 2026 jeden Mittwochvormittag in der Kita Tanzunterricht für Kinder ab drei Jahren an. Das Angebot ist Teil der frühkindlichen Förderung und knüpft an die pädagogischen Schwerpunkte der Einrichtung an: Bewegung, Körperwahrnehmung, Rhythmus, Ausdruck, soziale Interaktion und Freude am gemeinsamen Tun. Gerade im frühen Kindesalter kann Tanz Kindern helfen, Sicherheit im eigenen Körper zu gewinnen, sprachfreie Ausdrucksmöglichkeiten zu entdecken und sich in der Gruppe zu orientieren.

Am Ende hatte die „Gurkentruppe“, die Mannschaft der Erzieher:innen, das Turnier zwar sportlich für sich entschieden und den Preis an die Kinder weitergereicht. Gewonnen hatten an diesem Tag aber alle: die Kinder, weil sie bei schönem Wetter auf dem Sportplatz Wettiner Brücke einen Vormittag voller Bewegung, Spiel und Entdeckungen erleben konnten; die Eltern, weil sie nicht nur am Rand standen, sondern sichtbar Teil des Geschehens waren; und das Team der Kita „Die Auenwaldentdecker“, weil dieser Tag zeigte, wie tragfähig ein Umfeld sein kann, wenn pädagogische Arbeit, Elterninitiative und Förderverein ineinandergreifen.

Der Vormittag steht auch für eine größere Entwicklung in Leipzig. Viele Kindertagesstätten arbeiten derzeit daran, ihre pädagogischen Profile zu schärfen und Familien zu zeigen, was frühkindliche Bildung konkret bedeutet.

Zugleich verändert sich die Lage in der Stadt: In Leipzig sind nach Angaben aus der kommunalen Debatte zuletzt mehrere Tausend Kita-Plätze unbesetzt gewesen; zugleich wird über Schließungen, Platzabbau und die langfristige Entwicklung der Kitalandschaft diskutiert.

Diese Situation ist schwierig, sie eröffnet aber auch eine pädagogische Chance. Sinkende Kinderzahlen müssen nicht allein als Rückbaugeschichte erzählt werden. Sie können – wenn Träger, Stadt, Land und Einrichtungen klug damit umgehen – auch Raum schaffen für kleinere Gruppen, intensivere Beobachtung, individuellere Förderung und eine stärkere Verzahnung von Kita, Elternhaus und externen Bildungsangeboten. In Sachsen wird diese Debatte bereits geführt; seit 2025 sollen freiwerdende Mittel infolge sinkender Kinderzahlen auch zur Verbesserung des Betreuungsschlüssels im Kindergarten eingesetzt werden, ab 2026 auch in der Krippe.

Die Kita „Die Auenwaldentdecker“ zeigt im Kleinen, worum es dabei im Kern geht: Nicht jede gute Förderung findet im Gruppenraum statt. Manchmal entsteht sie auf einem Fußballplatz, neben einem Grillstand, beim ersten Kontakt mit einem Pferd, im Gespräch mit Feuerwehrleuten oder in einer Tanzpause zwischen zwei Spielen. Entscheidend ist, dass Kinder erleben: Hier gibt es Erwachsene, die ihnen etwas zutrauen, ihnen Räume eröffnen und ihre Entwicklung aufmerksam begleiten.

Für Familien, die in Leipzig einen Kindergartenplatz suchen, kann ein solcher Tag mehr sagen als jede Broschüre. Er zeigt eine Einrichtung, in der pädagogisches Konzept, Alltag und Gemeinschaft nicht getrennt nebeneinanderstehen. Sie werden erlebbar – laut, fröhlich, manchmal etwas wuselig, aber genau deshalb nah an dem, was Kindheit braucht.

Infos: www.kinderland2000.de/einrichtung/leipzig/kita-die-auenwaldentdecker/

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