Möglich macht dies eine Haltestellenprognose, die es deutschlandweit bisher nur in Leipzig und Dresden gibt. Ein Rechner verarbeitet im Hintergrund Daten zu Ankunftszeit und Schaltrhythmen umliegender Ampeln und errechnet, welche Bahn zuerst die Haltestelle erreicht. Rund 60 Sekunden vorher wird angezeigt, wo die Tram hält. „Die Prognose ist zu 90 Prozent richtig“, so Holger Flache, Leiter Angebot bei den LVB.
Kunden an Doppelhaltestellen können sich so besser orientieren. Denn wenn sich die Tram verspätet, entspricht die bisherige digitale Anzeige nicht der tatsächlichen Reihenfolge. Das Ein- und Umsteigen dauert länger und ist umständlich, weil Fahrgäste von A nach B oder umgekehrt hasten müssen. Wechselzeiten können jetzt reduziert werden. „Jede Sekunde ist für uns wichtig“, macht Sandy Brachmann, Prokuristin und Bereichsleiterin Marketing bei den LVB, deutlich.
Das Leipziger Verkehrsunternehmen hat die neue Anzeigeform mit Hilfe des Freistaates entwickelt, die nun schrittweise eingeführt und getestet wird – so am Goerdelerring, am Neuen Rathaus, Hauptbahnhof, Sportforum Süd, Friedrich-List-Platz, Wilhelm-Leuschner-Platz und an weiteren stark frequentierten Orten.
Das Projekt wurde mit Mitteln im Rahmen des Förderprogramms „Digitalisierung kommunaler Verkehrssysteme“ des Bundesministeriums für Verkehr umgesetzt. Weil die Positionsanzeige mehr Platz auf der Tafel braucht, wird die Minutenanzeige künftig geändert und das auf allen digitalen Anzeigen in der Stadt. Statt 1min heißt es nun 1’.
Und Sachsen investiert weiter in einen effizienten und zuverlässigen öffentlichen Personennahverkehr in Leipzig. Bis Ende 2028 wollen die Verkehrsbetriebe mit der Stadt Leipzig Lichtsignalanlagen entlang von Verkehrskorridoren und Hauptachsen von Straßenbahnlinien modernisieren. So sollen einzelne Knotenpunkte optimiert und Tramlinien in Gänze beschleunigt befahren werden können.
Sören Trillenberg, Staatssekretär im Staatsministerium für Infrastruktur und Landesentwicklung, hat jetzt einen Fördermittelbescheid über 1,1 Millionen Euro an LVB-Geschäftsführer Ulf Middelberg übergeben. Ziel ist es, die Lichtsignalanlagen mit dem rechnergesteuerten Betriebsleitsystem der LVB zu vernetzen. Bahnen sollen im Idealfall nur noch an Haltestellen, nicht an roten Ampeln stehen müssen. Quasi eine grüne Welle für Trams, ohne, dass der Autoverkehr benachteiligt wird. Umgesetzt wird dies zunächst in der Prager Straße und in der Könneritzstraße. „Durch die Beschleunigung ganzer Streckenabschnitte sollen sich die Fahrzeiten für Kunden verringern und der ÖPNV attraktiver werden“, so Sandy Brachmann.
In den vergangenen Jahren wurden im Rahmen des gemeinsamen Projekts bereits bis zu 25 Lichtsignalanlagen technisch modernisiert. „Diese liefern Echtzeitdaten und sind in der Lage, die aktuelle Fahrplanlage von Bussen und Straßenbahnen zu berücksichtigen“, sagt Holger Flache. Dem ÖPNV könne je nach Verkehrssituation flexibel Vorrang gewährt werden. Dank der gemeinsamen Umsetzung mit dem Mobilitäts- und Tiefbauamt konnten schon messbare Verbesserungen erzielt werden, so wurden unter anderem die Wartezeiten für Straßenbahnen am Hauptbahnhof reduziert. und KK