Kann man aus Zerstörung neue Perspektiven schaffen? Und wenn ja – wie geht das? Vielleicht, in dem man die Trennung zwischen Hoch- und Volkskultur im konkreten Fall des Tanzes durchlässig macht? Daran arbeitet Irina Pauls in „Sieben Brücken“: Da ist der Maibaum. Und die ritualisierten Tänze um diesen. Mit farbigen Bändern und einfachen Tanzschritten, die sich dann lösen aus der traditionellen Form und damit in eine rauere Welt führen. Was dann wiederum zu einem Thema führt, mit dem sich die Choreografin und Regisseurin nunmehr seit drei Jahrzehnten beschäftigt: Die Auswirkungen des Kohle-Bergbaus auf die Menschen des Leipziger Südraums.
Und so reißt in diesem letzten Teil der Projektreihe „Mehr als Kohle“ den Tanzfluss auseinander. Es entsteht dabei aber auch eine unerwartete Ausdruckskraft im Wechselspiel zwischen Tanz und Live-Musik: Alles ist möglich – tanzende Musikerinnen und Musiker, freie Improvisationen, elektronische Klangwelten. Im Kern steht der Prozess der Auflösung von bewährten, stabilen Formen und Bewegungen hin zu labilen, sich mehr und mehr verflüchtigenden Konstellationen und die Frage: Welches Potenzial für Erneuerung steckt im Überlieferten?
Das Stück „Sieben Brücken“ wird am Freitag, 29. Mai, ab 20 Uhr im Lofft aufgeführt. Außerdem kann man es am Samstag, 30. Mai, ebenfalls um 20 Uhr sowie am Sonntag, 31. Mai, um 18 Uhr sehen. und red./jwInfos: www.lofft.de