„Manchmal binich eine Heulsuse“
EM-Bronze in Tirana: Nur neun Monate nach einer schweren Operationist Anastasia Blayvas zurück auf der internationalen Bühne

Amory Olivia Andrich, Naemi Leistner und Anastasia Blayvas (v.l.) sind in Tirana ebenso happy wie Trainer Florian Rau.Foto: privat
Leipzig. Als Anastasia Blayvas vergangene Woche ihr EM-Viertelfinale nach Pausenführung noch verlor, sei die Ringern vom KFC Leipzig zwar traurig gewesen. „Sonst bin ich manchmal eine Heulsuse. Doch diesmal war ich nicht total niedergeschlagen, weil ich genau wusste, woran es lag.“ Eine zehnstündige Kiefer-Operation war gerade erst neun Monate her. Danach habe sie körperlich bei Null angefangen. Auch die Kampfroutine muss erst zurückkommen. Dieses EM-Duell gegen die Europameisterin war erst ihr sechster Kampf seit Sommer 2025.

Immerhin leistete sie in Tirana der Rumänin den größten Widerstand. Und die Leipzigerin mit den ukrainischen Wurzeln erhielt im Duell um Bronze eine zweite Chance, die sie gegen eine Moldawierin eindrucksvoll nutzte – auch wenn es mit einem fünfminütigen Videobeweis noch eine Zitterpartie gab. Tags darauf verlor das KFC-Aushängeschild ihre Stimme und weinte vor Glück. Denn im sechsminütigen Bronzekampf ihrer Trainingskollegin Naemi Leistner (RV Thalheim) gab Anastasia Blayvas beim Anfeuern alles. Noch an diesem Dienstag krächzte sie im LVZ-Gespräch vor sich hin.

Die Unterstützung der Kollegin fruchtete. Sensationell gewann die 21-jährige Leistner bei ihrem EM-Debüt in der Elite ebenfalls Bronze. Ihre drei Siege gelangen durchweg gegen Weltklasse-Athletinnen, die laut Trainer Florian Rau schon 32 internationale Medaillen errungen hatten. Mit Amory Andrich stand eine dritte Kämpferin des hiesigen Stützpunktes auf der EM-Matte.

Was ist das Erfolgsgeheimnis der Leipziger Ringerinnen, die in drei von sechs olympischen Gewichtsklassen aussichtsreich um olympische Startplätze für Los Angeles kämpfen? Anastasia Blayvas nennt den unglaublichen Zusammenhalt innerhalb der Trainingsgruppe. „Es macht so viel Spaß, gemeinsam an unseren Zielen zu arbeiten. Ohne die anderen Mädels hätte ich vielleicht schon aufgehört“, sagt die Olympiastarterin von Paris, die in Tirana ihre dritte EM- und WM-Plakette im Elitebereich errang. Der Begriff Ringer-Familie sei keineswegs übertrieben – trotz verschiedener Vereine.

Florian Rau ergänzt: „Ein Hauptfaktor ist, dass wir sehr individuell arbeiten. Alle Mädels über einen Kamm zu scheren, würde keinen Sinn machen. Selbst ein Mega-Training kann verpuffen, wenn es für die Einzelne nicht passend ist.“ Der nächste Punkt ist der Fitnesscoach: Wanja Litwinow, der seit Jahren für den Deutschen Fußball-Bund aktiv ist und auch bei RB Leipzig Spuren hinterlassen hat, arbeitet seit 2025 als Neuroathletiktrainer für den hiesigen Olympiastützpunkt.

Der Leipziger widmete sich undem konditionellen Wiederaufbau von Anastasia Blayvas nach deren OP. „Man spürt sofort sein Knowhow. Er strahlt große Vertrautheit aus, steckt seine volle Energie und Leidenschaft in die Aufgabe“, ist die 25-Jährige des Lobes voll. „Außerdem betrachtet er dich ganzheitlich.“ Wenn das Bein wehtut, sucht und findet er entscheidende Baustellen mitunter in anderen Körperzonen. Derzeit sei sie wegen ihres Ausfalls bei 75 Prozent ihres einstigen Fitnesszustandes. „Das holen wir auf“, ist Blayvas zuversichtlich: „Wenn es ringerisch fehlen würde, wäre es viel schwerer in meinem Alter.“ und F. Schober
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